Die Saxonia

Die erste in Deutschland gebaute Dampflokomotive – die Saxonia

Die Saxonia auf dem Bahnhofsfest in Radebeul

Die Saxonia auf dem Bahnhofsfest in Radebeul


Bahnhofsfest Radebeul – eine fotomässige Zeitreise in die Vergangenheit.

Kürzlich sind mir alte Farbnegative wieder in die Hände gefallen, die ich – vermutlich im Jahre 1996 – auf dem Bahnhofsfest in Radebeul-Ost aufgenommen hatte. Eingescannt und am PC etwas ‚aufgehübscht‘, sind diese Fotos noch als ganz ordentlich zu bezeichnen, aber… bieten schon eine kleine Zeitreise in eine vergangene Epoche.

Zumal hier eine Dampflokomotive gezeigt wird, die im Original tatsächlich die erste funktionstüchtige Dampflok darstellt, die in Deutschland konstruiert und gefertigt wurde – die Saxonia aus Dresden.

Die spannende Geschichte des Nachbaus der Saxonia – 1985-1989

Passend zu den Feierlichkeiten des 150-jährigen Jubiläums der ersten deutschen Ferneisenbahn Leipzig–Dresden‎ am 8. April 1989 sollte dieses schöne Stück Lokomotiv-Geschichte wieder rollen. So hatte es das Ministerium für Verkehrswesen der damaligen DDR bestimmt und 1985 eine entsprechende Arbeitsgruppe ins Leben gerufen.

Federführend bei der möglichst vorbildgetreuen Rekonstruktion der Saxonia war das Reichsbahnausbesserungswerk Halle/Saale. Da kaum Unterlagen von damals erhalten geblieben waren, diente vor allem eine Blaupause der Originalzeichnungen von 1838 und ein altes Buch mit technischen Daten als Vorlage.

Verschiedene Betriebe waren für die Herstellung der einzelnen Bauteile zuständig. So wurde der VEB Dampfkesselbau Übigau in Dresden als Nachfolgebetrieb des Herstellers der ersten Saxonia mit dem Kesselbau beauftragt, natürlich mit den heute üblichen Sicherheitsauflagen.

Der gesetzte Termin wurde trotz aller Schwierigkeiten gehalten. Die Lokomotive erreichte im Januar 1989 bei der Abnahmefahrt  zwischen Halle und Leipzig 70 kmh bei guter Laufruhe und Dampfentwicklung.

Zum 150jährigen Jubiläum der ersten deutschen Ferneisenbahn bei Riesa führte die neu entstandene Saxonia  dann tatsächlich die bemerkenswerte Fahrzeugparade vom 8. und 9. April 1989 an.

Die betriebsfähige Saxonia gehört heute zum Bestand des DB Museums in Nürnberg, ist aber auch bei grossen Eisenbahn-Events oder als Leihgabe in Museen, wie z. B. im Verkehrsmuseum Dresden zu bewundern.

1989 – 150 Jahre deutsche Ferneisenbahn Leipzig–Riesa-Dresden‎

Der originalgetreue Nachbau der urspr[nglichen Saxonia

Der originalgetreue Nachbau der ursprünglichen Saxonia

 Johann Andreas Schubert – der Schöpfer der historischen Saxonia.

In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts hielten die Engländer weltweit das Monopol sowohl für den Lokomotivbau als auch bei den Lokführern. Das galt auch für Deutschland, wo die Adler bekanntlich im Jahre 1835 erstmals zwischen Nürnberg und Fürth dampfte.

Konstruiert und gefertigt wurde die Saxonia als erste deutsche Dampflokomotive von Johann Andreas Schubert, dem Leiter der 1837 gegründeten Maschinenbauanstalt Übigau bei Dresden.

Zwei gekuppelte Achsen sorgten für den Antrieb und damit für hohe Zugkraft, eine Laufachse verbesserte den Lauf. Schubert hatte sich mit der Konstruktion an die englischen Vorbilder angelehnt, sie aber auch im Detail verbessert.

Am 8. April 1839 sollte die Saxonia die Strecke der Leipzig-Dresdner Eisenbahn feierlich eröffnen, musste sich dann aber wegen mehrerer Sabotageakte hinter zwei englischen Maschinen einreihen. Auf alle Fälle war jetzt das englische Monopol beendet.

Einige technische Daten der ersten Saxonia

  • Hersteller – Maschinenbauanstalt Übigau, Dresden – 1838, ausgemustert 1856
  • Bauart B1 n2 – Dienstmasse 15 t
  • Spurweite –  1435 mm ( heutige Normalspur )
  • Länge über Puffer 8730 mm – Radstand 3048 mm – Treibraddurchmesser 1524 mm
  • 2 Zylinder – Durchmesser 279 mm – Kolbenhub 406 mm
  • Leistung 40 kW – Kesselüberdruck 4,2 atü – Höchstgeschwindigkeit 50 kmh

Sehen Sie auch unsere spannende Bildergalerie – Deutsche Dampflokomotiven – auf unserer Reisefoto-Website Globetrotter-Fotos.de. Die grosse Dampflok-Baureihen- und Typen-Parade!

Bis ins Detail originalgetreu wie die damalige Saxonia

Fast bis ins Detail originalgetreu wie die damalige Saxonia gelang der Nachbau

Unsere Literatur-Empfehlung zum Thema – Dampflok Saxonia

Die genaueste und umfassendste Dokumentation über die historische Saxonia und ihren Nachbau haben wir dem begeisterten Dampfeisenbahner und ‚Dampflok-Papst‘ der früheren DDR  Heinz Schnabel aus Halle an der Saale zu verdanken.

Sein Buch:

SAXONIA. Beschreibung und Rekonstruktion einer historischen Lokomotive.

vom transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1989, ISBN 3-344-00351-8. ist eine technisch-historische Fundgrube und eventuell noch antiquarisch aufzutreiben.

Maschinenbauanstalt Übigau, Dresden

Die Maschinenbauanstalt Übigau bei Dresden heute

Während einer Fahrt mit dem historischen Schaufelraddampfer Pirna der Weissen Flotte, Dresden, konnten wir im Oktober 2013 die Geburtsstätte sowohl der ersten als auch der zweiten Saxonia von der Elbe aus entdecken – die Maschinenbauanstalt Übigau.

Ein Treppenwitz der Geschichte – da der Betrieb nie einen Gleisanschluss hatte, blieben die beiden Saxonias die einzigen Lokomotiven, die hier je hergestellt wurden.

Die Maschinenbauanstalt spezialisierte sich auf den Schiffbau, ein grosser historischer Kran zeugt heute noch davon.

Historische Eisenbahnen in Sachsen – das reine Volldampfvergnügen!

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