Das TransNamib Museum

Das Eisenbahnmuseum im Kolonialzeit-Bahnhof von Windhoek in Namibia.

Illing - Dampflokomotive von Henschel

Dampflok 154 A – eine Illing-Dampflokomotive von Henschel vor dem Museum

Dampfeisenbahnen in der früheren deutsche Kolonie Deutsch-Südwest-Afrika.

Wer heutzutage über eine Reise nach Namibia nachdenkt, träumt wohl zuerst von der unglaublichen Weite dieses grossen Landes im Südwesten de Schwarzen Kontinents, von seinen Wüsten Namib und Kalahari, der Gastfraundschaft der Menschen und ganz besonders der reichen, exotischen Tierwelt in den grossartigen Nationalparks Namibias.

Bahnhofsgebäude aus deutscherKolonialzeit in Windhoek

Das historische Bahnhofsgebäude aus deutscher Kolonialzeit in Windhoek

Aber… es gibt auch nicht Wenige, die auf Spurensuche nach Relikten von Deutsch-Südwestafrika aus deutscher Kolonialzeit im 19. Jahrhundert und dem frühen 20. Jahrhundert gehen möchten.

In der namibischen Hauptstadt Windhoek trifft man noch Schritt und Tritt auf Zeugen der Zeit der deutschen Schutztruppe – wie der Christuskirche, dem Tintenpalast oder der Alten Feste. Aber auch in der dortigen Bahnhofsstrasse wird der Tourist fündig und jetzt wird es auch für die Eisenbahnfans interessant!

Büro des Stationmasters

Originalgetreu wieder errichtet – das frühere Büro des Stationmasters in Windhoek

Schon von Weitem ist das weiss gestrichene Empfangsgebäude des historischen Bahnhofs von Windhoek zu erkennen, der auch heute noch in Betrieb ist.

Mit dem sehr schön gestalteten Bahnhofsvorplatz, dem historischen Gebäude des Ministry of Veterans Affairs und einer ganzen Reihe von Grossexponaten früherer Eisenbahnzeiten bildet das von der deutschen Eisenbahn 1912 errichtete und später erweiterte Gebäude im Kolonialstil ein stilvolles Ensemble.

Fahrplan Windhoek - Swakopmund 1905

Ein alter Fahrplan Windhoek – Swakopmund von 1905

Der Schienenverkehr in Deutsch-Südwestafrika, Südwestafrika und Namibia.

Im ersten Stock des schmucken Bahnhofsgebäudes befindet sich das TransNamib Museum, es ist das einzige Eisenbahn-Museum in Namibia. Es wurde 1993 eröffnet und wird von der TransNamib Holding Ltd. betrieben, die heute für den Eisenbahnbetrieb in Namibia verantwortlich ist.

Ich finde, ein sehr guter Zug, denn Zukunft kommt bekanntlich von Herkunft!

Eisenbahn-Längenprofil Swakopmund - Tsumeb

Plan des Eisenbahn-Längenprofils der Strecke Swakopmund – Tsumeb

Das TransNamib Museum – eine penibel zusammengetragene Ausstellung.

Zu Recht ist der heutige Kurator des TransNamib Museums, Konrad Schüllenbach, dessen Familie seit Generationen im heutigen Namibia lebt, stolz auf die liebevoll zusammen getragenen Exponate, den Zeugnissen einer durchaus erfolgreichen Eisenbahn-Geschichte und auf die Fülle an wertvollen, eisenbahn-historischen Dokumenten.

Originalschild aus deutscher Kolonialzeit

Eine Sammlung von Originalschildern aus deutscher Kolonialzeit

Neben dem restaurierten, ansonsten original erhaltenen Arbeitszimmer des Bahnhofsvorstehers sind im Museum eine ganze Reihe von Lokomotiv-Modellen und alten Utensilien der Eisenbahnarbeit, wie Kommunikationsmittel, Arbeitsgeräte, Uniformen, Dienstbücher, Werkzeuge ausgestellt.

Besonders beeindruckt hat mich die riesige Sammlung an alten Fahrplänen, Skizzen, Bauplänen und weiteren Exponaten aus deutscher Kolonialzeit. Das ist wirklich eine Fundgrube für Eisenbahnfreunde, die auf Spurensuche der frühesten Eisenbahnzeit in der ehemaligen Kolonie, so in etwa ab 1895, gehen wollen.

Viele hochinteressante Gegenstände stammen aber auch aus der Zeit, als die südafrikanische Eisenbahnverwaltung sowie die National Transport Corporation of South West Africa verantwortlich für das Eisenbahnwesen im heutigen Namibia gewesen ist. An den Schildern und Dokumenten leicht an den Aufschriften in Afrikaans erkennbar.

Dampflok-Wasserkran auf dem Bahnhofsvorplatz in Windhoek

Dampflok-Wasserkran auf dem Bahnhofsvorplatz in Windhoek

Der besondere Blickfang vor dem Empfangsgebäude ist die 154 A, eine Illing-Schmalspur-Dampflok mit 600 mm Spurweite, die im Jahre 1900 bei Henschel in Kassel als Fabrik-Nr. 5376 gefertigt wurde, 1903 wurde sie in Swakopmund zusammengesetzt und 1915 nach 371.000 gefahrenen Meilen ausser Dienst genommen.

Illing bedeutet übrigens ein halber Zwilling. Es war damals üblich, zwei Lokomotiven dieser Bauart gegenläufig aneinander zu koppeln, um Kurven und Steigungen besser bewältigen zu können.

Auch das heutige Schienennetz in Namibia hat eine Schmalspur von 1.067 mm, die Kapspur genannt wird.

Weitere Ausstellungsstücke auf dem Bahnhofsvorplatz aus früherer Zeit sind mehrere Draisinen, einige historische Personen- und Güterwaggons, die erste Diesellok Namibias und – ganz martialisch – ein gepanzertes Schienenfahrzeug aus der südafrikanischen Besatzungszeit.

Wer als Eisenbahn- und Dampflokfreund mal nach Windhoek in Namibia kommt, sollte sich wirklich Zeit auch für dieses schöne Museum nehmen!

Halbe 600 mm Doppel-Dampflokomotive von Henschel

Eine Illing-Dampflok – halbe 600 mm Doppel-Dampflokomotive von Henschel

Neben dem TransNamib Museum gibt es nur wenige andere Relikte aus früherer Eisenbahnzeit im ganzen Land. In Keetmanshoop rotten aber zum Beispiel noch die zwei Class 24 Dampflokomotiven 2-8-4 mit den SAR Betriebsnummern 3611 und 3612 vor sich hin, sie sind nicht mehr betriebsfähig.

Bedauerlicherweise gibt es in ganz Namibia keinen einzigen Eisenbahnverein, der sich – wie ja vielfach hier bei uns in Deutschland – um die Erhaltung dieser Erinnerungsstücke kümmern könnte.

Unsere umfassendere Bildergalerie

auf der beliebten Reisefoto-Website Globetrotter-Fotos.de bietet Ihnen einen noch besseren Eindruck dieser bemerkenswerten Eisenbahn-Ausstellung einer längst vergangenen Epoche – das TransNamib Museum in Windhoek.

Aufregende und exotische Dampfeisenbahnen – Volldampf in Übersee.

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